Visum und Behördenkram

RE: Allgemeines über Vollmachten

 von Somprit , 29.11.2012 20:53

...nachdem unser Rechtsexperte @Tango vorstehend sehr viel Wissenswertes über Vollmachten dargelegt hat, hier mal ein Fall aus der Praxis ...

-(Wer nicht den ganzen Sermon lesen möchte, kann sich mit Punkt 1 u. 2 begnügen) –

Es geht um eine erforderliche Vollmacht, welche man in der alten, kalten Heimat benötigt, um

1. ein gesperrtes Bank-Konto,
2. eine gesperrte DRV-Rente wieder zum Laufen zu bekommen.

Was war geschehen?

Vor knapp 1 Jahr erlitt einer unserer „Brüder“ hier einen Schlaganfall, welcher zu Folge hatte, dass er sich weder mündlich noch schriftlich verständigen kann, er nahezu kommunikationsunfähig wurde

Hinzu kam eine halbseitige Lähmung der re. Körperseite/incl. Verkrampfung der Schreibhand ... dies alles unter einem fehlenden Krankenversicherungsschutz und Ausbleiben des dringend erforderlichen Geldflusses.

Seine bisherige Behandlung – soweit man(n) davon sprechen kann – ist mehr als nur spartanisch, er wurde ein Pflegefall, welchen man(n) in Deutschland als „Schwerstpflege“ einstufen würde, eine rundum-Versorgung erforderlich macht.

Niemand sah sich in einer Verantwortung.

Seine Partnerin zeichnete dafür verantwortlich, dass seine ATM-Karte in D. einer Sperrung unterzogen wurde, der Zugriff auf die monatliche Rente brach weg.

Kurze Zeit darauf sperrte die DRV (!) die Rente, da er als Bezieher einer Erwerbsminderungsrente die Verlegung des Wohnsitzes nach Thailand nicht gemeldet hatte, einen pro-Forma Wohnsitz in D. beibehielt!

Apropos, daran sollte ein Jeder denken, welcher denkt, die DRV weiß ja nichts.... das spätere Erwachen, wenn die Rente hier unten wegbricht, kann schrecklich werden...Rückzahlungen stehen an!

Was war zu tun...?

Hilfe von Angehörigen, Behörden aus D. ,

- auch nicht vom Deutschen-Hilfsverein-Thailand e.V.-

waren nicht zu erwarten, die Lebensbedingungen in Thailand katastrophal....

Seitens der kontenführenden Bank und der DRV bestand man(n) auf der Einsetzung eines gerichtlich bestellten Bevollmächtigten / Betreuers um eine Freischaltung des gesperrten Kontos und unter entsprechender Nachweise (Kopien des Passes) die Weitergewährung der Erwerbsminderungsrente zu erlangen.

Alle Beteiligten (Familienangehörige in D./ Partnerin in TH) einigten sich auf eine Person, welche hier in TH als Betreuer gegenüber des deutschen Bankinstitutes und der DRV, eingesetzt werden sollte.
Man(n) fand eine sich des Falles annehme Anwaltskanzlei, welche für den zu stellenden Antrag bei dem örtl. zuständigen thailändischen Gericht, pauschal 20.000 Baht forderte und erhielt...
Der Antrag auf Betreuung wurde bei dem Familiengericht eingereicht...und innerhalb weniger Tage abgelehnt, da der „Betreuer“ KEIN Familienangehöriger sei!

Doch der Anwalt sah keine Veranlassung dies seinem Mandanten mitzuteilen... es vergingen 2 Monate, bis man(n) erfuhr, dass der Antrag mit einem einzigen Satz abgelehnt worden war...was natürlich zu einem Disput zwischen Anwalt & Mandat führte...

Der Antrag wurde erneut, ohne Berücksichtigung des „vorgeschobenen“ Ablehnungsgrundes unverändert dem Landgericht vorgelegt.... und noch am gleichen Tage, am 1.10., wegen fehlender sachlicher Zuständigkeit, zurückgewiesen!

Auch hier wurde der Mandant im Glauben belassen, dass vorgeblich am 21.11. der Entscheidungstermin über die Einsetzung eines Betreuers anstehen würde....
Nachdem der beauftragte Anwalt in den Tagen des vorgeblichen Gerichtstermins auf keine Weise erreichbar war, ergab ein Anruf bei Gericht, dass kein Termin stattfinden würde.... weil ja bereits am 1.10. der Antrag wegen fehlender Zuständigkeit abgewiesen worden sei

Auch hier fand keine Benachrichtigung durch den Anwalt statt...
Man(n) reiste zu dem vorgeblichen Termin an... stellte den Kanzleivorsteher zur Rede, da der sachbearbeitende RA erneut unerreichbar war...

Die zwischen Antragsstellung, 1.10., und vorgeblichem Gerichtstermin, 21.11., verstrichenen 8 Wochen .... wurden damit erklärt, dass man(n) Vergleichsfälle gesucht habe...
Man(n) trennte sich dahingehend, dass bis spätestens 06.12. ein neuer, fundierter Antrag bei dem zuständigen Familiengericht eingereicht würde.... falls dort erneut eine Ablehnung erfolgt, muss das Familiengericht in Bangkok angerufen werden....

Jetzt griff man(n) nun zusätzlich auf thailändisches Recht zurück, indem man(n) sich zu Nutze machte, mittels Abdruck des rechten Daumens eine schriftliche Vollmacht erstellen zu lassen.

In diesem Zusammenhang wurde Kontakt mit dem Leiter des zuständigen Bezirksamtes (Ampör) aufgenommen, welcher sich bereit erklärte, solch einen dokumentierten Vorgang mit einem gehandicapten Farang aufzunehmen.

Er entsandte eine Urkundsbeamtin zu dem Aufenthalts-/Liege-Ort des Farang, welcher ansonsten mittels Krankenwagen zum ca. 20 km entfernten Bezirksamt hätte gebracht werden müssen.
Hier wurde von dem geistig rege, sich durch Kopf-/Handzeichen einverstanden erklärenden aber schreib- / sprechunfähigen Farang unter Beiziehung des angestrebten Betreuer/Bevollmächtigten und weiteren 3 zusätzlichen Zeugen unter fotografischer Dokumentierung Schritt für Schritt der Daumenabdruck genommen

Inzwischen liegt diese Vollmacht übersetzt / beglaubigt der DRV und der Bank in Deutschland vor... wird man(n) dort im fernen Deutschland diese derart entstandene „Daumen-Vollmacht“ als rechtsverbindlich anerkennen...

Diese Frage stellt sich sicher nicht nur ein @Tango sondern auch ich....

Falls ja, könnte das eingeleitete gerichtliche Verfahren gestoppt werden..., in dessen Zusammenhang der Kanzleivorsteher erklärt hatte, zumindest ein Teil des Honorars bei Erfolglosigkeit zurückerstattet werden könnte...(wer`s glaubt...)

...wie man(n) an diesem Fall-Beispiel ersehen kann, ist man(n) auch im stets lächelnden Lande nicht davor gefeit... an gute (!?) Anwälte zu kommen, Anwälte, welche mit dieser Kanzlei des "Senior-Anwalts"


protzten, bereits "Farang erfolgreich" vertreten zu haben.... das weitere Verfahren wird zeigen, ob konkrete Hinweise auf diese "große Kanzlei" als "warnendes Beispiel" ergehen werden

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