Ein Marktleben

#1 von Benem ( Gast ) , 09.04.2009 15:03

Da ich dieses Forum sehr sympathisch finde und immer auf der Suche nach einem Thailandforum war, in dem der Umgangston freundlich ist, hoffe ich es interessiert vielleicht jemanden:

Ich moechte eine Art Tagebuch anfangen, da ich auf meinem Blog (http://eatatbenems.blogspot.com/) nicht genug Platz fuer das normale Alltagsgeschehen habe: zu viel zu schreiben, zu viel zu erzaehlen...

Ich arbeite seit Anfang Januar zusammen mit meiner Freundin auf einem kleinen Markt in Bangkok, wir verkaufen hier Gung Ob Wunsen, was ein sehr sehr leckeres chinesisches Nudelgericht ist. Ich habe mich noch nicht entschieden ob ich hierbleiben werde, oder was ich als naechstes mit meinem Leben anfangen werde. In Thailand scheint es viele Moeglichkeiten zu geben und man kann noch klein Anfangen und mit viel Arbeit ein eigenes kleines Geschaeft haben, in dem ich mich keinem Boss oder Vorgesetzten unterordnen muss, denn in Deutschland sind die Arbeitsbedingungen hart.

Haette ich die Moeglichkeit meine Freundin nach Deutschland zu holen, wuerde ich dieses allerdings vorziehen, denn wir alle wissen wie die rechtliche Situation von uns "Farangs" in Thailand ist.

Ich lebe in einem kleinen Haus in Thonburi mit ihren Eltern, dem Bruder, dessen Frau, ihren 2 Kindern, der Cousine und dem laotischen "Maedchen". Die Familie ist chinesisch, erst ihr Bruder hat eine Thailaenderin geheiratet, die Familie ihres Vaters kommt von der Insel Hainan und ihre Mutter aus Guangdong.

Jeden Tag um halb vier faehrt uns "Po" mit seinem Pickup zum Markt, unser Stand ist nur klein, aber unser Profit ist gut, da wir inzwischen recht bekannt und auch beliebt sind.

Morgens geht meine Freundin Juicies, die Thaichinesin ist und handeln kann das sich die Balken biegen zum Markt um die Zuaten einzukaufen, wenn sie nach Hause kommt bereite ich alles vor, waehrend sie zum Laden ihrer Mutter faehrt und dort helfen muss, denn ihre Mutter kann nicht lesen und schreiben und ist mit fast 60 Jahren etwas ueberfordert in ihrem Laden.

Am Markt habe ich viele Menschen kennengelernt, Farangs, wie auch viele "normale" Thais, die normaler Arbeit nachgehen, hier gibt es viele anstaendige Menschen, aber auch Ratten. Unsere Strasse ist "Gelb" unser Markt dagegen "Rot" und ich habe mich als Auslaender entschieden mich von der Politik fernzuhalten.

Jeden Monat zahlen wir der Polizei Schmiergeld, wofuer wir sogar eine Quittung bekommen. Das Schmiergeld betraegt lediglich 300 Baht und ist, gemessen an unserem Einkommen laecherlich gering. Mit den ganz normalen Ungerechtigkeiten, die ein Thaileben mit sich bringt habe ich mich abgefunden, denn auch in Deutschland wird man als Servicekraft nicht gerade gut behandelt.

Tatsaechlich habe ich in Thailand das erste mal das Gefuehl ein richtiges Leben zu haben und mein eigenes Geld zu verdienen ohne einfach "Deutscher" zu sein und in einer fertigen Infrastruktur zu leben, auf die ich keinen Einfluss habe und in der ich nur mache was von mir erwartet wird.

In den letzten 4 Tagen war ein Sturm in Bangkok, nicht nur politisch, sondern vor allem Regen und viel Donner, waehrenddessen wir uns unter unserem Schirm verkrochen haben. Die Einnahmen waren Okay, Spass gemacht hat es trotzdem.

Ben

Benem

RE: Ein Marktleben

#2 von thai.fun ( Gast ) , 09.04.2009 17:12

Hallo Ben. Du schreibst สนุก ทุกหน้า! Genießen Sie jede Seite!
Das genau mache ich schon längere Zeit, hier, in deinem Blog und auch in anderen Forums, wo Du Dich ja z.b. auch schon gut gegen alte Besserwisser durchgesetzt hast. Du bist für mich der Farang den man beim Einwachsen in die Thailändische Gesellschaft beobachten kann.
Deine Jugend und Deine Ansichten sind für mich ein Lehrstück, dass nicht Beraten oder Angetastet werden soll. Es ist Dein Leben. Und so kommen wir auf Deine Frage nach einem Tagebuch.

Es währ für mich und sicher auch für die Anderen hier eine gute Aufwertung des Forums, von Dir hier ein Tagebuch reingestellt zu bekommen. Meiner Aufmerksamkeit kannst Du sicher sein. Auch wenn Du irgend wann mal alles zusammen Kopierst und anderswo Einstellst ist und bleibt es ein gutes Gesamt- Werk.
Ich denke auch unser Admin Manfredo wird dies begrüssen und Dir zeigen wie und wo Du den Tagebuch Thread aufmachen kannst?
MG

thai.fun

RE: Ein Marktleben

#3 von Benem ( Gast ) , 09.04.2009 21:42

Zitat
auch schon gut gegen alte Besserwisser durchgesetzt hast.



freut mich, wenn es angekommen ist, aber bei den Streitereien auf "Schoenes Thailand" hatte ich nicht wirklich das Gefuehl mich durchgesetzt zu haben. Ich habe ja oben geschrieben, das ich schon laenger auf der Suche nach einem Forum mit besserem Umgangston bin, denn es irritert mich wie in vielen Foren diskutiert wird und ich glaube auch das dadurch nicht meine beste Seite zum Vorschein kommt.
Ansonsten kann ich Dir nur fuer die viel zu netten Worte danken!

Ich bin gerade vom Markt wiedergekommen und werde hier bald weiterschreiben, die politische Lage lenkt mich gerade ab: Abishit erklaert im Fernsehen den Ausnahmezustand, bzw das Morgen gesetzlicher Feiertag ist. DH das wir nicht verkaufen koennen.

Benem

RE: Ein Marktleben

#4 von edi37 ( Gast ) , 10.04.2009 06:51

@Benem,

Hallo Ben,

ich persönlich finde die idee -ein tagebuch zu eröffnen- nicht schlecht und schliesse mich der meinung vom Max an, dass es auch für einige weitere mitglieder dieses forums eine bereicherung und eine gute aufwertung des forums sein werde.
Habe mich einwenig schlau gemacht in deinem Blog und finde dies sehr interessant und auch viel lehrreiches kann man daraus ziehen.
Nun liegt es an Manfredo, ob er grünes licht dazu gibt oder nicht.
Im geschlossenen bereich -nicht für alle zugänglich- gibt es bereits ein thread unter dem titel: Tagebuch von...., erst zugänglich ab dem 30 beitrag! Aber vielleicht unter dem titel: Leben in Thailand, könntest du bereits deine erlebnisse und erfahrungen sowie neuigkeiten beitragen.
Ich bin ein alter mann (72) und lese gerne solche Tatsachenberichte besonders von einem jungen mann der auf beiden füssen steht.
Mach weiter so Ben, denn du hast eine gute einstellung zum leben und bereits grosse erfahrungen hier in thailand gemacht.
Wünsche dir und deiner Mia Jui alles gute und nochmals viel erfolg.

Gruss edy

edi37

RE: Ein Marktleben

#5 von manfredo ( Gast ) , 10.04.2009 08:21

Hallo Bennjamin,

Zitat von Benem
in dem der Umgangston freundlich ist



das hat hier aller oberste Priorität. Wirst sehen das bleibt hier auch.
Wir sind einen tolle Truppe hier
Freue mich auch wie alle anderen Mitglieder auf deine Zeilen.
Hast noch eine PN bekommen.

Gruß Manfredo

manfredo

RE: Ein Marktleben

#6 von Werner ( Gast ) , 10.04.2009 09:07

Hallo Ben!

Da bist Du also in Bangkok an ein Marktweib geraten. Marktweib, das ist nicht abwertend gemeint sondern von mir eine liebevolle Umschreibung einer nicht leichten Tätigkeit, die von diesen Menschen etwas mehr an Einsatz, Freundlichkeit, Verantwortung und Zuverlässigkeit fordert, als das allgemein in Thailand üblich ist.

Schon die Tatsache selbständig zu sein und dann auch noch mit Erfolg, unterscheidet diese Menschen auf den Märkten von anderen, die mehr von Sanuk, also einem etwas oberflächlicheren Leben geprägt sind.

Ich weiß wovon ich schreibe, denn meine Frau ist ebenfalls ein Marktweib. Sie steht seit 20 Jahren an der Straße und verkauft Modeschmuck. Wenn sie auch jetzt so nach und nach ihrer Tochter die Hauptlast des Geschäfts überlassen will, so wird sie ihre zeitweilige Mitarbeit beim Verkauf wahrscheinlich nie ganz aufgeben können.

Was das Zusammenleben mit meinem Marktweib betrifft, da ist sie ebenso zuverlässig und verantwortungsbewusst, wie in ihrem Job. Auf jeden Fall übertrifft ihr Realitätsbewusstsein ihre Träume von einem materiell abgesicherten Bilderbuchleben zu meinen Lasten.

Wahrscheinlich wird Deine Freundin auch jeden Tag arbeiten. Mit dem Einkauf, den Vor- und Nachbereitungen hat sie mehr zu tun, als wenn sie irgendwo als Arbeiterin oder Angestellte arbeiten würde. Du hast Glück, denn Du kannst ihr bei ihrer Arbeit helfen. Ich kann das leider nicht und trotzdem führen wir ein wunderbares Leben miteinander.

So ein Leben wünsche ich Dir auch und hoffe, Du wirst eines Tages auch das Problem mit der Aufenthaltsgenehmigung in den Griff bekommen.

Alles Gute wünscht Dir

Werner aus Korat

Werner

RE: Ein Marktleben

#7 von Benem ( Gast ) , 10.04.2009 12:33

Nachdem ich jetzt auch mal im Internen Bereich gelesen habe finde ich dieses Forum sogar noch interessanter, da gibt es viele Ansichten, die ich so noch von wenigen Thailandresidenten lesen durfte, allerdings frage ich mich da schon fast ob ich wirklich etwas neues beitragen kann, denn die Erfahrungen was das "normale" Thailand angeht scheinen hier sehr viel hoeher zu sein als in den meisten Internetforen.
Ich werde trotzdem gerne starten, moechte aber deutlich darauf hinweisen, das ich fuer Ratschlaege und Hinweise zu Thailand, immer dankbar bin, falls Leser eine falsche Beobachtung bemerken werde ich mich immer freuen wenn diese korrigiert wuerde, das erspart es mir anderswo das Gesicht zu zerbrechen, was mir schon so furchtbar oft passiert ist...

Zitat
das hat hier aller oberste Priorität.



Gut so, denn das ist wichtig.

Das Juicies ein Marktweib ist, ist so nicht direkt richtig, als ich sie kennenlernte, war sie tatsaechlich "Nailartist" Fingernagellackiererin, was in Thailand angeblich garnicht so unangesehen ist, mich aber schockte, denn in Deutschland ist das ja kaum zu vergleichen. Sie arbeitete damals im Fingernagelsalon ihrer Tante, denn ihre Mutter hatte sich Geld vond er reichen Tante geliehen, das Juciies abarbeiten musste. Sie bekam damals 30.000 Baht (schwarz) im Monat, was ja fuer Thailand nicht schlecht ist, davon gab sie ihrer Mutter jeden Monat 10.000. Sie hasste es dort zu arbeiten und sie hasste ihre Mutter dafuer das sie sie dazu zwang, denn sie hatte Englisch studiert und wollte lieber in einem Buero arbeiten. Heute ist dieser Traum fuer sie vorbei, denn sie ist zu alt um nocheinmal damit anzufangen.

Aber mit Deinen Beobachtungen zu Marktweibern hast Du natuerlich absolut recht: morgens zum Markt und Zutaten kaufen, verhandeln, alles vorbereiten, zum Markt, verkaufen, nach Hause, alles putzen. Da bleibt nicht viel Zeit. Inzwischen muss sie ja immer im Laden von ihrer Mutter helfen und ich bereite vor. Ich muesste eigentlich auch, aber ich druecke mich so oft ich kann, denn wenn ihre Mutter nicht mehr arbeiten kann, wird sie den Laden (der viel Gewinn abwirft) an Bia, Juicies aelteren Bruder geben, denn er ist der aelteste Sohn und so unzuverlaessig er auch sein mag, er wird immer der Prinz der Familie bleiben und ich wuerde es bereuen zu viel geholfen zu haben, nur damit er ein paar Baht mehr macht.

Vielen Dank an alle fuer die netten Worte und jetzt wuerde ich gerne mit dem Tagebuch loslegen.

Ben

Benem

   

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