Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#1 von Ai Tua Saeb , 30.12.2010 15:51

Ich war vom 22.12. bis 29.12. als Mönch in einem Wat in Phayao.

In dieser Zeit habe ich allen materiellen Dingen entsagt, also kein TV, kein Handy, kein Internet, keine Ehefrau, kein Bier, kein Schnaps, keine Schuhe, kein Bett, kein Geld, nichts dergleichen eben.
Ich habe morgens die Almosen angenommen und alle anderen Pflichten eines Mönches ausgeübt, also auch das Wat fegen.

Ich wurde in die Lehren des Lord Buddha eingewiesen und meditierte bis zu 2 Stunden täglich.
Die Nacht war immer um 5.00 h beendet. Nach dem kalt Duschen ging es zur "Morgenandacht" (วัตรเช้า)[/size].

Am Abend das ganze nochmals, diesmal als "Abendandacht" [size=150](วัตรเย็น)


Zur Frage nach dem Sinn des Unternehmens antworte ich, dass es sehr gut und hilfreich war, das Leben etwas zu entschleunigen. Könnte einigen Members hier auch gut tut.
Nach der Rennerei ums liebe Geld das ganze Jahr über war es sehr gut, zum Ende des Jahres mal nach immateriellen Werten zu suchen.

Es ist aber für einen Farang, der sich nicht INTENSIV mit dem Buddhismus beschäftigt oder praktiziert in der Tat sehr schwer bis unmöglich, den Sinn hinter dem 7-tägigen Mönchsein zu entdecken.

Ich möchte allen Members, die dem Mönchsein ein Art Urlaubs- oder Kurcharakter zuschreiben, sagen, dass Ihr vollkommen daneben liegt.
Es war wirklich sehr hart. Vor allem, wenn am Abend alle Angestellten und die Lotterieverkäufer nach Hause zu ihren Familien gingen und man quasi alleine zurückblieb. Die sanitären Bedingungen im Wat waren sehr widrig.

Sicher kann man in nur 7 Tagen keine Wunder erwarten, aber ich durfte für einen kurzen Augenblick teilhaben am Leben abseits der Gewinnmaximierung, Partys, Promiskuität und überflüssigem Konsumwahn und bin sehr dankbar dafür.
Ich durfte anfangen, Pali lernen und anzuwenden und habe ca. 300 Seiten buddhistische Lehrbücher gelesen und jeden Tag etwa 1-2 Stunden meditiert, was ich als Bereicherung empfinde.

Vergleichen kann man das Kurzzeit- Mönchsein am ehesten mit einem Auto (Körper), dass das ganze Jahr über rackert und dabei unweigerlich in Schlaglöcher fällt.
Am Ende des Jahres kommt das Auto dann in die Werkstatt und bekommt die Spur neu eingestellt, so dass es im nächsten Jahr wieder korrekt geradeaus läuft.

Zur Pali- Sprache:
Es ist so, dass Pali von der Grammatik her dem Deutschen sehr ähnlich ist - da ist Thai ganz anders aufgebaut.
Der Abt hat das so erklärt, dass im Thai in einem Satz immer alles schön der Reihe nach kommt, während im Pali alles "durcheinandergewürfelt" sei.

Wobei das eher seine subjektive Meinung ist, die wohl daraus resultiert, dass jeder die Grammatik seiner eigenen Muttersprache für am logischsten hält.

Pali ist in etwa wie das Latein für Europäer. Es gibt und gab nie ein Land oder eine Gesellschaft, in der Pali (oder Sanskrit) als Amtssprache verwendet wurde.
Es ist eine reine Religionssprache.

Auf die Frage, warum unter Mönchen und Klerikern in TH nicht Thai verwendet werde, wurde mir geantwortet, dass man nicht die Alltagssprache der Bevölkerung dazu verwenden wolle, denn die sei nicht recht 'rein'.
Man könnte aber auch etwas Böses denken und vermuten, dass die Bevölkerung im Unwissen gelassen werden soll. Ist ein wenig wie in Europa vor Luther - da gab's die Bibel auch nur in Latein.

Es ist aber in der Tat so, dass viele Worte im heutigen Thai vom Pali übernommen wurden:

RONG-PAYABAN - Krankenhaus - ist im Pali PHAYABAT (Schlimmes von anderen Menschen abwenden)
MO-RA-NA - sterben - ist im Pali auch MO-RA-NA, wenn auch anders geschrieben.
VIRIYA - versuchen, sich etwas vornehmen, kommt aus dem Pali
RATTANA - wertvolles Glas.
PRASERT - entwickelt, höhergestellt
GRAM - die Tat
WEEN - das schlechte Karma
LOHIT - BLut

Alles in allem gesehen ist Pali zum Lernen 'ne harte Nuss - aber es bringt einem Vorteile beim Thai lernen. Die Thairath- Tageszeitung, mit der ich mich immer schwer getan habe, lese ich nun mit Leichtigkeit.

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#2 von illuminati , 30.12.2010 20:41

Zitat von Ai Tua Saeb

Sicher kann man in nur 7 Tagen keine Wunder erwarten, aber ich durfte für einen kurzen Augenblick teilhaben am Leben abseits der Gewinnmaximierung, Partys, Promiskuität und überflüssigem Konsumwahn und bin sehr dankbar dafür.


Alleine der erfolgreiche Versuch diesen Schritt zu gehen - meine Hochachtung hast du. Warst du dort als Mönch ordiniert für die 7 Tage oder wie lief das ab?

Zitat von Ai Tua Saeb

Ich durfte anfangen, Pali lernen und anzuwenden und habe ca. 300 Seiten buddhistische Lehrbücher gelesen und jeden Tag etwa 1-2 Stunden meditiert, was ich als Bereicherung empfinde.


Ab April 2011 wird mein Leben sich in TH abspielen, mein erstes Anliegen wird das Erlernen der Sprache sein. Ich kann schon lesen und schreiben - nicht perfekt aber alltagstauglich - mein Sohn 7J. kommt jetzt in die 2. Klasse, er hat mich mittlerweile aber klar überholt. Das Sprechen klappt z.Zt nur mühsam, weil mir der Wortschatz fehlt, die letzten 8 J. habe ich mit meiner Frau in D nur Deutsch gesprochen, damit sie es auch lernt. Jetzt meine Frage an Dich - ist es möglich in einem Wat die thail. Sprache zu lernen - während des täglichen Ablaufs?

Zitat von Ai Tua Saeb

Alles in allem gesehen ist Pali zum Lernen 'ne harte Nuss - aber es bringt einem Vorteile beim Thai lernen. Die Thairath- Tageszeitung, mit der ich mich immer schwer getan habe, lese ich nun mit Leichtigkeit.


Lesen kann ich eine Zeitung auch - am schwierigsten auszusprechen sind vor allem Namen, aber verstehen tue ich trotzdem nicht mehr als 25% - zuviele neue Wörter - also lesen können allein nutzt mir noch nicht viel.
Wie ist es möglich, dass du innerhalb einer Woche solche Vorschritte machst, also jetzt mit Leichtigkeit die Zeitung lesen kannst?

Also du kannst ruhig noch mehr von Deinen Erfahrungen berichten in Bezug auf -Leben als Mönch- und das Erlernen der Sprache.
Gruss

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#3 von scubath , 30.12.2010 21:09

nun eine besondere erfahrung ist es sicher. besonders fuer jemanden wie dich der ja schon lange hier lebt und die sprache so gut kann.
da ist eine gute basis gegeben um mit den moenchen zu komunizieren.
ich fuer meinen teil koennte mir das nicht vorstellen, da fehlt mir einfach die verbindung zu. haben den wat ja fast im haus. dort steigt in einer woche auch wieder die groesste party des jahres mit verkauf von medallions und sonstigen business. ich sehe die trennung vom weltlichen nicht wirklich. auch die moenche fahren mit ihrem alten auto abends ihr bier kaufen und rauchen, handynieren und machen auch allerlei andere dinge die eigentlich nicht sein sollten. einen habe ich mal aus unserer farm geschmissen weil er meinte sich auf meine terasse zu hocken, eine zu quarzen und mich zu fragen fuer wieviel wir ihm das land verkaufen wuerden.
menschen die zeit haben sich mit dem sauberen image und der tradition zu beschaeftigen verstehe ich. fuer mich ist es aber nur augenwischerei und ein ueberbleibsel aus der vergangenheit welches mit der moderne nicht klar kommt.
hier habe ich auch das glueck das meine thai familie genau gleich denkt und sich nichts aus dieser art von leben macht.
budda sei dank.
ich werde mal versuchen bei der party bilder von den moenchen zu knipsen die abends auf ausgang sind, oder die wo den maedels auf der buehne unter den rock schauen. ist echt das lustigste am fest. uebrigens leztes jahr hatte ich ja da meinen beinbruch als ich fuer den elefanten gekaempft habe (die aufmerksamen erinnern sich sicher) dieses jahr sagte der dorf scheriff wird es keine geben er sorge dafuer abwarten.

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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#4 von Ai Tua Saeb , 30.12.2010 22:10

@illuminati

Ja, ich war als Mönch für 7 Tage ordiniert, also einer von "Ihnen".
Einmal kam ein Polizist vorbei, der einen dieser orangenen Eimer spenden wollte...er hat sich vor mir niedergekniet und sogar den Kopf bis auf den Boden heruntergebeugt und beide Arme flach auch den Boden gelegt - später erfuhr ich, dass es der Polizeichef von Phayao war, also der 1. Polizist in der Provinz Phayao.
Das fand ich sehr surreal.

Ich habe vorher schon Thai lesen, schreiben und sprechen gekonnt, aber z.B. ein medizinisches Fachjournal oder eine juristische Fachzeitschrift war bisher doch sehr schwere Kost.
Der eigentliche Fortschritt lag darin, dass ich Pali gepaukt habe, von dem viele thail. Wörter abgeleitt sind und daraufhin das Hochthai leicht hinbekommen habe, deshalb auch der enorme Quantensprung beim Lesen der Tageszeitung.
BTW, ich konnte die Zeitung vorher auch schon lesen, aber das Gelesene nur sehr schwer verstehen - das ist nun anders.

Aber Mönchsein ist wahrlich kein Zuckerschlecken.
Ich hatte zwar ein tolles Doppelbett auf dem Zimmer, aber durfte dort nicht drauf schlafen, weil neue Mönche nicht höher als 8 Inches liegen dürfen.
Also lag ich 6 Nächte auf dem Boden neben dem Bett, auf einer ca. 2cm dicken Auflage.
Das hatte zur Folge, dass ich alle Stunde die Stellung wechseln musste, weil sich Druckstellen gebildet haben. 8-10 Stellungswechsel pro Nacht waren normal.

Ausserdem bekam ich keine Farang- Extrawurst gebraten, obwohl ich diesmal wahrlich eine gebrauchen gekonnt hätte. Ich wurde also behandelt, wie jeder andere auch.
Beim täglichen Meditieren taten schnell die Beine weh, aber ich musste bis zu 1 Stunde in der Postition ausharren, was extrem wehtat.

Wie gesagt habe ich 300 Seiten buddhistische Lehrbücher gelesen, alles in Thai. Alles machte klar Sinn.

Die Lehre Buddhas halte ich für sehr vernünftig und nachahmenswert, aber das "Bodenpersonal" scheitert hin und wieder an den Unzulänglichkeiten, die der Mensch eben so in sich trägt. Die Umgebung im Wat kam mir sehr schwul vor, um es vorsichtig auszudrücken.

Der Mönch hängt dem Glauben an, dass ALLES vergänglich ist und man sich z.B. nicht über das gerade erstandene Handy freuen solle, denn in 1-2 Jahren ist es schon wieder alt und evtl. kaputt. Man solle sich lieber an dauerhaften Werten orientieren, was ich auch so sehe.
Leider hat diese Sichtweite sich so sehr auf den Charakter durchgeschlagen, dass der Mönch sich nicht um die Erhaltung von Gebrauchsgegenständen wie z.B. Badamarturen kümmert - das Bad im Wat war derart runtergewohnt und lieblos behandelt und viel Anlagen waren nach nur 3 Jahren kaputt (Urinal, Waschbecken hingen aus den Halterungen).
Da die Stromrechnung nicht von den Mönchen aufgebracht werden muss, brannte im WC öfter die ganze NAcht das Licht...gekümmert hat es niemanden.

Ein weiterer Schwachpunkt des Mönchseins ist das fehlende Emotionale. Der Mönch empfindet eigentlich in fast jeder Situation gar nix - weder Mitleid, noch Hilfsbereitschaft, noch Symphatie für irgendetwas. Manchmal kam es mir vor, wie die Nazis in Paris - die hatten von Kultur auch keine Ahnung.
Auch mit Kunst hat der thail. Mönch rein gar nix zu tun, denn das ist ihm unbekannt.
Ich bin fast soweit zu behaupten, dass der Buddhismus in TH die Entwicklung der Gesellschaft und der Bürgerrechte behindert.

Diese zahlreichen Gebotsregeln, 227 in der Anzahl, drücken auch auf das Gemüt . Deren Einhaltung verkrüppelt die Seele, es werden aemotionale Wesen geschaffen, eine traurige Nebenerscheinung.

Aber die Lehre Buddhas für den Normalbürger "draussen" ist sehr hochzuhalten und ich schätze diese sehr. Ich lese immer noch fleissig in den Büchern.

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#5 von illuminati , 31.12.2010 01:04

Zitat von Ai Tua Saeb

Wie gesagt habe ich 300 Seiten buddhistische Lehrbücher gelesen, alles in Thai. Alles machte klar Sinn.

Die Lehre Buddhas halte ich für sehr vernünftig und nachahmenswert, aber das "Bodenpersonal" scheitert hin und wieder an den Unzulänglichkeiten, die der Mensch eben so in sich trägt. Die Umgebung im Wat kam mir sehr schwul vor, um es vorsichtig auszudrücken.

Aber die Lehre Buddhas für den Normalbürger "draussen" ist sehr hochzuhalten und ich schätze diese sehr. Ich lese immer noch fleissig in den Büchern.



ich vermute, dass du von diesem Mönch auch schon einiges gelesen hasthttp://th.wikipedia.org/wiki/%E0...%82%E0%B8%8D%29 leider ist mein Thai nicht so gut, dass ich diese Seite ohne sehr viel Aufwand mit dem Wörterbuch übersetzen kann und bei der deutschen Übersetzung fehlt die Hälfte Was du geschrieben hast, kann ich gut nachvollziehen, ich hatte das Glück bei meinem letzten Thailandaufenthalt hat mich meine Frau zu einem Waldmönch geführt, der alleine in einer Höhle haust, dieser Mönch (>60J.) hat auf meine Frage warum er nicht in einem Wat lebt geantwortet, dass es dort keine Ruhe und Stille mehr zu finden gibt ....
Er hatte mich ohne Umschweife gefragt ob ich am Buddismus interessiert sei, als ich dies bestätigte hat er mich und meine Frau aufgefordert gleich mit ihm zusammen zu sitzen und Atemübungen zu machen, das biete er jedem an der Ihn aufsucht und alle nehmen dankbar an (es sind noch nicht so viele die kommen, er ist noch nicht so lange an diesem Ort). Ich hatte den Eindruck, dass es ein grosser Unterschied zu einem normalen Wat darstellt, ausser einer kleinen Buddastatue und einer kleinen hölzernen Sitzbank keinerlei Luxus, schlafen tut er in einer kleinen Höhle auf einer Matte. Ich gestehe ich war beeindruckt, auch von seiner Ausstrahlung. Die Schriften von Buddhadasa Bhikkhu - พุทธทาสภิกขุ - einige deutsche Übersetzungen habe ich gelesen, gehören mit zu den besten Büchern die ich kenne, alles sehr gut erklärt und nachvollziehbar, mein Ziel ist es auch diese Texte im Orginal zu lesen.
Dein Vorbild bestärkt mich in meinem Unterfangen.
Gruss

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#6 von Ai Tua Saeb , 31.12.2010 04:21

Es gibt auch ein paar Bilder von der Ordinationszeremonie.

Da ich der erste Farang war, der in diesem Wat ordiniert hat, kam Prominenz von der Kleriker- Verwaltung als Vorsitz der Zeremonie.
Der werte Abt auf dem zweiten Bild, der neben mir kniet, ist der ranghöchste Mönch von Phayao (hab ich aber erst zufällig später beim durchblättern eines Jahrbuches herausgefunden).





Das mit den Atemübungen wurde mir auch unterrichtet. Beim Einatmen sagt man "PUT", beim Ausatmen "TOO".

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch die Mönchsprache. So nennt man sich, wenn man mit normalen Leuten redet, nicht mehr "PHOM", sondern "ADDAMA".

- "Dorfbevölkerung" (CHAO BAAN) wurde zum KARAWAD
- "Essen" (GIN) wurde zum CHAN
- "Du/Sie" (KHUN) wurde zum YOOM
- "Bitte sehr" (CHOEN) wurde zum WIMON

Ach ja, nochwas habe ich im Wat gelernt: Auch Mönche lesen auf dem Klo die Zeitung, benutzen "Whitening Lotion" und haben als Shampoo "Korean Spa"

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#7 von illuminati , 31.12.2010 12:59

Zitat von Ai Tua Saeb
Es gibt auch ein paar Bilder von der Ordinationszeremonie.

Da ich der erste Farang war, der in diesem Wat ordiniert hat, kam Prominenz von der Kleriker- Verwaltung als Vorsitz der Zeremonie.
Der werte Abt auf dem zweiten Bild, der neben mir kniet, ist der ranghöchste Mönch von Phayao (hab ich aber erst zufällig später beim durchblättern eines Jahrbuches herausgefunden).

http://dl.dropbox.com/u/3589866/22122010224.jpg

http://dl.dropbox.com/u/3589866/22122010227.jpg

Das mit den Atemübungen wurde mir auch unterrichtet. Beim Einatmen sagt man "PUT", beim Ausatmen "TOO".

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch die Mönchsprache. So nennt man sich, wenn man mit normalen Leuten redet, nicht mehr "PHOM", sondern "ADDAMA".

- "Dorfbevölkerung" (CHAO BAAN) wurde zum KARAWAD
- "Essen" (GIN) wurde zum CHAN
- "Du/Sie" (KHUN) wurde zum YOOM
- "Bitte sehr" (CHOEN) wurde zum WIMON

Ach ja, nochwas habe ich im Wat gelernt: Auch Mönche lesen auf dem Klo die Zeitung, benutzen "Whitening Lotion" und haben als Shampoo "Korean Spa"



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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#8 von thai.fun ( Gast ) , 31.12.2010 18:06

Ich finde die Geschichte von Dir Ai Tua Saeb, die 7 Tage im Wat recht spannend und Informativ.
Denn auch ich hatte immer wieder mal in meinem Leben den Wunsch einige Zeit in einem Tempel bei Buddhisten zu verbringen.

Ein paar Tage nachdem ich 1997 in selben Sinne wie Du Ai Tua Saeb in einem Wat in Süd-Thailand tief im Wald vor-gesprochen
und ein Ja für 1 Monat und für 20.000.- Baht bekommen habe, traf mich ein Hirnschlag!

Als ich dann im Nachhinein gezwungenermassen Zeit zum Sinnieren hatte,
gingen mir schon auch mal Gedanken durch den Kopf wie, wollte das Gott nicht, oder so?

Und alles später in Thailand gesehene, gehörte, gelesene und erfahrene,
lässt mich heute tief zweifeln, wo der Sinn für einen Farang, vor allem für mich, im Mang sein , sein soll?
Jedoch Buddhismus ist für mich immer noch die wirklichste Glaubensrichtung!

thai.fun

RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#9 von Allgeier , 31.12.2010 19:44

Zitat von thai.fun
Jedoch Buddhismus ist für mich immer noch die wirklichste Glaubensrichtung!



Und auch wohl die toleranteste. Das nicht zu vergessen.

Allgeier

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#10 von Ai Tua Saeb , 31.12.2010 20:13

Der Buddhismus ist eigentlich keine Glaubensrichtung, sondern eine Anleitung zum Glücklichsein, eine Philosophie.

Das alleroberste Ziel des Lebens nach der Lehre Buddhas ist das Streben nach Glückseligkeit. Das wurde mir gleich am ersten Tag eingetrichtert.

" Wenn Du etwas tust, dann denke VORHER darüber nach"
" Tue etwas, aber konzentriere Dich dabei und habe Deine Gedanken in dem Moment beisammen"
" Wenn Dir jemand etwas lehrt, dannn übernehme es nicht einfach, sondern überlege vorher, ob es Sinn für Dich macht".

Das, was einige Wats allerdings daraus gemacht haben, ich denke da besonders an diese Busladungen von Touristen und Gläubigen, die zu berühmten Wats "pilgern", ist alles Larifari, Voodoo und Hokuspokus.
Hinzu kommt dieser unseelige Unsinn mit den Amuletten und dem Vorhersagen der Lotttozahlen...hat mit der Lehre Buddhas nix zu tun.

Ich war sehr erschrocken, als ich wieder rauskam aus dem Wat und mitansah, wie unwissend die Bevölkerung doch ist....fast alles Hahnebüche, aber kein echter Glauben. Das Meiste ist Aberglauben., gepaart mit Angst vor schlechtem Karma.

 
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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#11 von Somprit , 01.01.2011 12:23

Zitat von Ai Tua Saeb
...Das, was einige Wats allerdings daraus gemacht haben, ich denke da besonders an diese Busladungen von Touristen und Gläubigen, die zu berühmten Wats "pilgern", ist alles Larifari, Voodoo und Hokuspokus.
Hinzu kommt dieser unseelige Unsinn mit den Amuletten und dem Vorhersagen der Lotttozahlen...hat mit der Lehre Buddhas nix zu tun.
Ich war sehr erschrocken, als ich wieder rauskam aus dem Wat und mitansah, wie unwissend die Bevölkerung doch ist....fast alles Hahnebüche, aber kein echter Glauben. Das Meiste ist Aberglauben., gepaart mit Angst vor schlechtem Karma.



...tja, Ai Tua Saeb, daran kannst Du doch ermessen, dass hier alles hartes Business ist, der reine Buddhismus nur auf sehr wenige Köpfe beschränkt und praktiziert wird/ist

Das gemeine Volk wird insgesamt vom Animismus gelenkt und geführt, wobei es ansatzweise gelungen ist, einige Spuren des Buddhismus einfließen zu lassen, eine Stilrichtung des Buddhismus, welcher aus der Hand des gütigen Landesvaters seit jeher gezielt eingesetzt und gelenkt wird...

Ich sehe es seit 2 Jahrzehnten, dass in meinem Umfeld der philosophische Gedanke des Buddhismus von den Auswirkungen des Animismus stets überwuchert wird...

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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#12 von Colo , 01.01.2011 13:15

Zitat von Somprit
.... des Buddhismus von den Auswirkungen des Animismus stets überwuchert wird...


Wer die okkulten, mysthischen Geheimnisse ignoriert und nur im politischen, öffentlichen Leben, auch im philosophischen Denken seine Suche beginnt und auch beendet, wird das Verborgene nicht entdecken können.

Das Wahrnehmen, das Verstehen wollen, all dies gehört zum 'Sein' in unserem irdischen Hier und Jetzt.

Zitat
"Wissen und Bewußtsein kommen aus der gleichen Wurzel und wer sich einer Sache bewußt werden will muß um sie wissen wollen." (Rudolf Hagelstange) Jedoch mahnt uns der Dichter und Bruder Lessing:

"Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet."



->Religion ist im Verständnis eine ->Rückführung zum Prinzip der spirituellen Geistigkeit.

Komme später darauf zurück. Bin dabei dem "Geheimnis" auch des okkulten Wissens nach zu gehen.

Momentan interessiert mich die 'Gemeinsamkeit' zwischen all den Philosophien, Glaubensbekenntnissen, Religionen und Weltanschauungen. Vor allem seit wann der Entstehung, so fern dies nachvollziehbar sein kann mit dem eigenen "Verstand". Je tiefer eingetaucht wird, umsomehr nimmt die Intiution Besitz von Wahrnehmung an.

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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#13 von Somprit , 01.01.2011 13:52

Zitat von Colo

Zitat von Somprit
.... des Buddhismus von den Auswirkungen des Animismus stets überwuchert wird...


Wer die okkulten, mysthischen Geheimnisse ignoriert und nur im politischen, öffentlichen Leben, auch im philosophischen Denken seine Suche beginnt und auch beendet, wird das Verborgene nicht entdecken können....




..Colo, MIR kommt es oftmals, gar grundsätzlich so vor, als wäre "das Volk" nie vom Weg des "animistischen Glaubens" abgekommen und man(n)/Frau ihnen von oben her den Buddhismus übergestülpt hätte... als Machtinstrument der Herrschenden!

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RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#14 von MooHo ( Gast ) , 01.01.2011 14:35

Zitat von Somprit
... als Machtinstrument der Herrschenden!...


Das ist der Hauptzweck jeglicher Religion. Bzw. sich über Religion zum Herrschenden auf zu schwingen.

MooHo

RE: Meine 7 Tage als Mönch im Wat

#15 von Ai Tua Saeb , 01.01.2011 16:04

Zitat von Somprit

Das gemeine Volk wird insgesamt vom Animismus gelenkt und geführt, wobei es ansatzweise gelungen ist, einige Spuren des Buddhismus einfließen zu lassen, eine Stilrichtung des Buddhismus, welcher aus der Hand des gütigen Landesvaters seit jeher gezielt eingesetzt und gelenkt wird...



...und ich spüre (leider) gerade die Auswirkungen:

Wir sind im Begriff einen Laden aufzumachen. Der Mietvertrag ist fertig unterschrieben und die Ware ist schon seit gestern angeliefert, wir könnten also sofort losverkaufen.
Aber nein, es geht nicht, weil erst ein 'guter' Tag (07.01.) gefunden werden musste, an dem um 16:49 h der Laden pro forma aufgemacht werden wird.
Dann muss noch ein Verwandter als Käufer einspringen, der Ware einkauft und bar bezahlt - erst dann ist das Geschäftsglück sicher.

Im Wat habe ich über diese Thematik in Büchern gelesen.
Der Lehre Buddhas nach kann man den Glauben an 'gute' Tage und andere damit verbundene Rituale auch weglassen.
Man nennt das dann "Chua gramm, tae mai chua Mongkon", also etwa "An das Karma glauben, aber nicht an gunstverbessernde Sachen".
Die Lehre bzgl. des Karmas geht so: Wer Gutes tut, dem wird Gutes widerfahren.

Wenn man also davon ausgeht, dass wir legale Ware zu fairen Preisen verkaufen und unsere Steuern ordentlich bezahlen, dann wäre dies schon vollkommen ausreichend, um das Karma positiv zu beeinflussen.

 
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Alle Jahre wieder kommt ..........
Thailandbezug?

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