RE: Nam und Fredl

#31 von phumphat , 19.11.2009 20:18

Nam und Fredl Fortsetzung 20

Beim gemeinsamen Frühstück mit Fredl, erwähnte ich, das wir nun wohl einen Schneider suchen müssen, der dir einen Hochzeitsanzug macht.
I hob jo mai Kroachane mitgnumman. ( ich habe ja meine Krochane mitgebracht)
Was meinst du mit der Kroachanan.
Jo unsa bayrische Trocht holt.( ja unsere bayrische Landestracht,)das ist eine ¾ lange Rauhlederhose mit Hosenträger und mit dicken weißen Wollstrümpfen.
Aha ich verstehe, aber mit der kannst du in Thailand nicht heiraten.
Jo wiso den nit.( ja wieso den nicht)
Die würden dann glauben du kommst von einem anderen Stern und außerdem bei diesen Temperaturen hier.
Wos moanst, don gemm holt zu so an Schneida. (wenn du meinst, dann gehen wir halt zu einem Schneider.)

Der war auch bald ausfindig gemacht worden, einzige Bedingung, der Anzug musste binnen 24 Stunden fertig sein. Auch das klappte noch.
So nun brauchen wir auch noch ein paar Schuhe, denn deine Sandalen passen nun ja auch nicht gerade zu einem Anzug.
Jetzt wurde es aber schwierig. Eine Schuhgröße 46 war nirgendwo erhältlich. Ledeglich Gummistiefel hätten wir bekommen können, was aber nicht unbedingt zu einem Anzug passt. Maßschuhe sind nun gefragt. Doch der einzige Schuster den wir gefunden haben, sah sich außerstande diese innerhalb von 24 Stunden zu fertigen.
Ok, dann halt mit Sandalen, werden dir ja nicht alle Leute auf die Füße schaun.

Als wir uns den Dorf näherten, hörten wir schon von weit her Musik.
Von einem Pick-Up der mir riesigen Lautsprechern ausgestattet war und unweit vom Elternhaus stand, kamen nun diese für europäische Ohren eher schmerzhaften Klänge.
Die Hütte selbst war geschmückt mit Ballons und Girlanden.
Vor dem Haus wurden nun Bastmatten ausgelegt, die anscheinend dann als Sitzplatz bestimmt waren.

Als nun Fredl aus dem Auto gestiegen war, sah er in seinem weißen Anzug aus, wie ein Missionar. Sofort wurde er umringt von unzähligen Kindern, die seine Hände betatschten und nicht mehr von seiner Seite wichen.
Ich hatte so das Gefühl, das der Fredl sich in diesen Moment sich in seiner Kroachanan, wie er sie nannte, um einiges besser fühlen würde, als in diesen weißen Anzug.

Aus den Hütten ringsum stiegen überall Rauchschwaden hoch, was darauf schließen lässt, dass nun überall gekocht und gebraten wird.
Auch ein Schweinebrater wurde angeheuert, der eifrigst am Spieß drehte damit das Schwein auch überall schön braun und knusprig wird. Auf einer offenen Feuerstelle im Freien, war ein Riesengroßer Topf über ein Holzgestänge aufgehängt, wo eine ältere Frau damit beschäftigte war mit einen ebenso großen Kochlöffel ständig zu rühren. Ein kurzer Blick in diesen Kochtopf, genügte mir um zu erahnen, welche Köstlichkeiten hier gegart werden.

Von Nam war im Moment weit und breit nichts zu sehen.
Als mir nun die Mutter von Nam über den Weg lief und ich mich nach ihr erkundigte, sagte sie nur Nam tu put on mäikap , was soviel heissen dürfte,das sich Nam gerade schminkt.

Ich hatte ja vorsorglich unsere Kühlbox im Auto mit Bier und Wasser aufgefüllt. Zu Fredl gewand sagte ich, Fredl ein kühles Bier gefällig.
Die Schweißtropfen standen ihm auf der Stirn und er, Jo Jo und an Schnops dazua, a des brauch i jetzan (Ja,Ja und einen Schnaps dazu, das brauch ich jetzt.)
Zwischenzeitlich haben sich schon etliche Leute eingefunden, die schnatterten wie die Gänse und dazu die laute Musik, ich kam mir vor wie auf einem Rummelplatz. Im Mittelpunkt vom allen stand natürlich der Fredl. Er wurde begafft und begrabscht, ich fürchtete schon das er das nicht lange durchhalten wird können.
Aber ein Naturbursche wie er schon mal ist, überwand er das mit einer stoischen Ruhe.

Fortsetzung folgt.

 
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RE: Nam und Fredl

#32 von phumphat , 20.11.2009 21:35

Nam und Fredl Fortsetzung 21

Es tauchten nun 3 ältere Herren auf, die sich nach einem Tschao-bao((Bräutigam) erkundigten.

Nun der war ja wirklich nicht zu übersehen. In seinem weißen Hochzeitsornat und in seiner über alle überragenden Größe.

Wie sich dann herausstellte waren diese drei Männer, die ehrfurchtsvollsten im ganzen Dorf und zwar einmal der Bürgermeister, dann der Dorfälteste und die wohl wichtigste Person der Dorfschamane, der sogenannte Adschahn.

Sie führten nun Fredl in die Mitte des Dorfplatzes und dort musste er kug kau( sich niederknien).

Dann riefen die Anwesenden alle gemeinsam Nam, Nam, Nam, Nam, Nam.

Und nun erschien Nam in Begleitung zwei anderer Frauen. Sie schwebte förmlich daher wie ein Engel auf einer Wolke.
Mir verschlug es förmlich den Atem und Fredl bekam seinen Mund nicht mehr zu.

Ganz in Weiß mit einer Orchide in ihren glanzvollen schwarzen langen Haaren erschien nun Nam auf der Bildfläche.
Sie kniete sich neben Fredl und ihnen gegenüber die drei Dorfheiligen.

Nun begann der Adschahn in einer mir völlig unverständlichen Sprache an zu palavern. Er wird vermutlich wohl die bösen Geister vertrieben haben und bei den Guten ein gutes Wort für Nam und Fredl eingelegt haben.
Nach einem schier endlosen Palaver holte er eine weiße Kordel hervor und band damit die Hände der beiden zusammen.
Aus einem bereitgestellten Eimer, bespritzte er nun mit einem Besen das Brautpaar und die anwesenden Gäste, die in einem Halbkreis vor dem Paar am Boden hockten. Nachdem nun der Kordel wieder gelöst wurde, griff Fredl in seine Hosentasche und zauberte eine Goldkette hervor, die er der Nam um den Hals legte

Mit einem Oh, oho und einem kräftigen Händeklatschen quitierten nun die Anwesenden das Tun vom Fredl.

Phuu tschaai dii, phuu dschaai dii ( guter Mann, guter Mann) ertönte es aus vielen Mündern.
Nach dem Ende der Zeremonie wurden nun die Speisen aufgetragen.
Nam, Fredl, die Eltern, die drei Herren und ich setzten uns zum einzigen Tisch und ließen uns bedienen. Bei einigen undefinierbaren Gerichten lehnte ich aber dankend ab.
Doch Fredl störte das in keiner weise, er aß alles brav auf was da  so auf den Teller kam.
Die Gäste hockten dabei auf der Erde und ließ es sich ebenfalls schmecken.

Die Musik-Box spielte indessen unvermindert in voller Lautstärke weiter.
Vereinzelt fingen nun Frauen an sich im Rhythmus zu bewegen. Mit ihren grazilen Handbewegungen, sah das sehr erotisch aus.
Die Männer hingegen widmeten sich nun mehr den Alkoholischen Getränken zu ,die ja bei solch einer Feier auf gar keinen Fall fehlen dürfen.
Nachdem nun auch Nam an den tänzerischen Darbietungen teilnahm, wurde auch Fredl von den Mädchen dazu aufgefordert mit zu tun.
Nun ja wenn ein nahezu Zweimeterhühne mit geschätzten 120 kg versucht die vorgegeben Bewegungen nachzumachen, sieht das etwa so aus, als würde man einen Elefanten dressieren.
Als man auch mich zu einem dressierten Affen machen wollte, habe ich mit schmerzverzehrten Gesicht erklärt das ich mir gerade zuvor meinen Knöchel verstaucht hätte.
Von nun an musste ich aber, um nicht selbst einen Gesichtsverlust zu erleiden, meine Bewegungen ebenfalls mit schmerzverzerrten Gesicht durchziehen.

Nun es kam wie es kommen musste, der Alkohol zeigte so langsam seine Wirkung. Reihenweise kippten die Männer einfach um und mussten dann von ihren Frauen in die Hütten geschleppt werden.

Es gab auch einige Frauen, die anscheinend den Alkohol nicht ganz abgeneigt waren und selbst eine Gehilfe dringend notwendig hatten. Zwei etwas nicht mehr ganz so taufrische Schönheiten versuchten nun meine Gunst zu erlangen, Wahrscheinlich waren es Witwen oder ganz einfach von ihren Männern verlassene Ehefrauen.

Da ich aber diesbezüglich nichts im Sinn hatte, habe ich nun versucht Nam und Ferdl zum Aufbruch ins Hotel nach RoiEt zu bewegen.
Wir hatten uns dann einfach auf thailändisch verabschiedet, was soviel heißt, das wir sang und klanglos verschwanden.

Fortsetzung folgt

 
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RE: Nam und Fredl

#33 von phumphat , 21.11.2009 13:03

Nam und Fredl Fortsetzung 22

Im Hotel angekommen, setzten wir uns noch ins Restaurant um bei einem Trink die weiteren Vorgänge zu besprechen.

You are happy habe ich Nam gefragt.
I am very happy, antwortete sie.

Zu Alfred gewand, sagte ich: Und du.
Jo mai, sama jetzan so richtig vaheirat.

Noch nicht ganz, erwiderte ich.
Jetzt müsst ihr nur noch zum Standesamt.
Anschließend die Papiere übersetzen lassen, dann zur Botschaft, Visa machen und ab nach Deutschland.

Jo mai i frei mi jo a scho so narrisch, bis ma don auf unsan Hof dahoam san.
Na de Resi* und de Nam** wearn scheane Augn mochn, wenn se de Nam don sechn.

Na hoffentlich gibt es da keine Zwischenfälle mehr, dachte ich mir.
Am nächsten Tag fuhren wir dann direkt nach Bangkok.
Die anschließende Trauung am Standesamt, sowie sämtliche Behördengänge, die Visa Beschaffung waren dann nur mehr Formsache.
Gerade noch rechtzeitig um den geplanten Flug nach München termingerecht zu erreichen.

So verabschiedete ich mich am Flughafen von den Beiden um ihnen viel Glück für die Zukunft zu wünschen und dem Versprechen sie im nächsten Jahr in Deutschland zu besuchen.
Mit einer innerlichen Genugtuung fuhr ich dann zurück nach Pattaya, mit dem guten Gewissen, zwei wunderbaren Menschen in ihrem Glück unterstützt zu haben.

* Milchkuh ** Kalb

Das war nun die Geschichte von einem der auszog um in fernen Thailand seine große Liebe zu suchen und schlussendlich auch zu finden.

Ob es nun wirklich die so heiß ersehnte große Liebe ist, ist wiederum eine andere Geschichte.

Ende

 
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RE: Nam und Fredl

#34 von thai.fun ( Gast ) , 21.11.2009 18:29

Ende? Schade, war eine unterhaltsame Zeit. Danke und Gruss Max

thai.fun

RE: Nam und Fredl

#35 von phumphat , 22.11.2009 22:06

Zitat von thai.fun
Ende? Schade, war eine unterhaltsame Zeit. Danke und Gruss Max




Danke Max, kann dir aber das Kompliment zurück geben.
Habe nun deine Erzählungen, Geschichten und Berichte gelesen.
Sehr interessant und Aufschlussreich.


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RE: Nam und Fredl

#36 von scubath , 20.12.2009 21:09

auch ein spaetes danke von mir fuer diese unterhaltsame geschichte.
vieleicht gibts ja irgendwann eine vortsetzung wie es der nam auf dem bauernhof erging?
gruss jan

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RE: Nam und Fredl

#37 von phumphat , 21.12.2009 12:24

Zitat von scubath
auch ein spaetes danke von mir fuer diese unterhaltsame geschichte.
vieleicht gibts ja irgendwann eine vortsetzung wie es der nam auf dem bauernhof erging?
gruss jan



Hi Jan,
freut mich das auch dir meine Geschichte gefallen hat.

Werde wohl am Bauernhof mal nach den rechten schaun
um dann weiter zu berichten.
Aber im Moment ist es mir dort doch etwas zu kalt.

Im diesem Sinne ein frohes Fest

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